Die Familie der Primarschülerin Marie Jeanne Muhawenimana

Marie Jeanne wurde 1996 geboren und geht in die 5. Klasse der Primarschule Gitanda. Marie Jeanne ist Halbwaise und lebt zusammen mit ihrer Mutter Godebelte und ihren vier Geschwistern unweit der Schule, ca. 15 Gehminuten entfernt. Marie Jeanne hat drei Brüder im Alter von 7, 5 und 2 Jahren sowie eine 12-jährige Schwester.

Im Rahmen des Projektes der Ruanda Stiftung hat Marie Jeanne und ihre Familie am 14.09.2009 eine Ziege bekommen. Sie trägt die Nummer 7 im Ohr. Leider hat sie auch nach drei Befruchtungen noch kein Junges zur Welt gebracht. Die Familie hofft weiter, dass es demnächst klappt und sie mit dem Aufbau einer kleinen Ziegenzucht beginnen kann. Da Marie Jeanne’s Familie zu den ersten der 300 Familien gehörte, die von der Ruanda Stiftung eine Ziege bekommen haben, profitiert sie auch zuerst von zwei zusätzlichen Hühnern. Denn jede der 300 Familien, die ihre Ziege 6 Monate nach Verteilung noch besitzen und gut gepflegt haben, bekommen zusätzlich zwei Hühner geschenkt.

Die Familie von Marie Jeanne hat ihre Hühner am 29. April bekommen. Nun kann sich die Familie über frische Eier freuen, die sie auf dem Markt verkaufen kann, um ihr Einkommen aufzubessern oder die sie zum Kochen verwenden kann, um die Ernährung zu vervollständigen. Ebenso legen diese zwei Hühner den Grundstein für den Aufbau einer kleinen Ziegenzucht. Denn Marie Jeanne’s Familie teilt sich mit 4 anderen Familien einen Hahn.

Der Alltag der Familie ist einfach. Um 5h30 stehen alle auf und um spätestens 21 Uhr legen sich alle Familienmitglieder schlafen. Marie Jeanne und ihre Geschwister kümmern sich um die Küche und die Essenszubereitung, während die Mutter tagein, tagaus auf dem kleinen Feld arbeitet. Das Feld liegt ein ganze Fußstunde vom Haus entfernt. Wenn möglich, gibt es mittags und abends eine warme Mahlzeit. Das Feld der Familie ist jedoch zu klein, um eine vollständige und ausgewogene Ernährung zu garantieren. Häufig verkauft die Familie einen Teil des eigenen Anbaus auf dem Markt, um Nahrungsmittel zu kaufen, die man nicht auf dem eigenen Feld hat.

Ein Nachbar der Familie hat uns Interessantes über den Ablauf einer Schwangerschaft erzählt. Auch Marie Jeanne’s Mutter hat ja zuletzt vor zwei Jahren ein Kind zur Welt gebracht. Schwangere Frauen arbeiten bis zur letzten Minute auf dem Feld oder in der Küche. Bei Niederkunft suchen sie sich einen ruhigen Platz im Haus und bringen das Kind ohne jegliche Hilfe zur Welt. Die Bauchnabelschnur wird mit einer Rasierklinge durchtrennt. Dann bindet sich die Frau das Baby auf den Rücken und geht wieder ihrer Arbeit nach. Hebammen gibt es auf dem Land nicht und für die Geburt geht man üblicherweise nicht in eine Gesundheitsstation, die auch oft über eine Stunde Gehweg entfernt ist.

Auf die Frage, was ihr Ziege und Huhn bzw. das Projekt bringt, antwortet die Familie von Jeanne Marie: Ziegenkot zum Düngen des Feldes, Eier gegen Mangelernährung, Einnahmen durch den Verkauf der Eier, Aufbau einer Tierzucht und Hilfe beim Kampf gegen die Mangel- und Unterernährung.